Markus war fleißig und hat Unmengen an Holz gemacht. Etwas davon bekam er für seine Drechselei mit nach Hause als Lohn für diese Mühen.

Er begann sofort mit der dringendsten Arbeit:

  • Die Äste und kleinen Stämme müssen halbiert und in kleinere Stücke gesägt werden. Denn sonst reissen sie dermaßen, dass sie bald wirklich nur noch für den Ofen taugen. Wie schade wäre das um diese edlen und schönen Hölzer!
  • Dann müssen möglichst aus den Stücken schon Rohlinge gedreht werden.

Damit ist er seit Wochen beschäftigt. Da noch immer frisches Holz nachkommt, wird er nicht fertig damit. Es liegt noch ein ansehlicher Stapel Äste und Stämmchen rum. Eile tut also Not.
Bis dieses jetzt so nasse Holz einmal als fertige Pracht auf meinem Tisch steht … wird es sehr lange dauern. Monate!

Seine Werkstatt ist sozusagen nicht so recht das Gelbe vom Ei. Sie ist im Winter drinnen so kalt wie draussen, und im Sommer ist es heißer als draussen. Kein frisches Lüftchen weht hinein und an etwas kühleren Tagen ist der Hitzestau drinnen noch gerade so wie zur heißen Zeit. Schlecht fürs Holz … und belastend für den Drechsler.

In Schachteln liegen jedoch vorgefertigte Rohlinge eingepackt in Holzspäne und warten auf Verarbeitung. Immer wieder wird die Feuchtigkeit geprüft. Einiges ist schon so weit, allein der Drechsler hat gerade aus oben beschriebenen Gründen keine Zeit hierfür. Da nützt es auch nicht, wenn die Ehefrau Wünsche anmeldet …

„Es wird nach Tellern gefragt.“
„Kann es bald ein paar Schalen geben? Vielleicht auch etwas größere?“
„Gibt es derzeit Rohlinge für Dosen, die bald soweit sind?“
„Könntest du bei Gelegenheit nochmal ein paar Löffelchen machen?“
„Haben wir in absehbarer Zeit etwas aus Kirschenholz? Hast du noch Wacholder da liegen? Gibt es wirklich kein einziges Stückchen Zwetschgenholz?“
„Es wird ein Trinkbecher gebraucht … eine kleine hübsche Vase …?“

Nun, was will man machen. Unser Regal war wohlgefällig gefüllt mit Kostbarkeiten, kleinen und größeren Schätzen, und nun sieht es recht mager aus. Es ist sozusagen Fastenzeit.

Aber da sind noch die ruhenden Schönheiten in den Schachteln, teilweise in unserem Keller in einem Regal, die noch wachgeküßt werden wollen.

Geduld ist eine Tugend und eine Zier, doch als sie damals im Himmel verteilt wurde, dauerte mir das zu lang und ich ging woanders hin. Das habe ich nun davon. Ich hoffe, ihr seid damals geblieben und habt diese Gabe in Empfang genommen.

Einiges habe ich dennoch im Regal noch stehen. Und es kam zuletzt noch etwas hinzu, was lange genug schon als Rohling gewartet hatte. Diese Stücke wurden vorgedreht, als ich noch keinen Kanal hatte und also auch noch keine Wünsche von Euch wußte.

Wir werden sehen … bleibt also noch eine Weile bei mir!